3D-Druck von Tabletop-Miniaturen – Disruption für Miniaturenhersteller?

Vor einigen Jahren zeigte ich ein Szenario auf, dass Tabletop-Systeme möglicherweise nicht mehr über neue Editionen, die für die Spieler mit dem Kaufe neuer Miniaturen einhergehen, erfolgreich sein könnten. Ich überlegte damals, dass die Figuren einfach von anderen Herstellern kopiert werden und hierdurch ein Anreiz besteht, diese günstigeren Kopien zu erwerben. Dass diese Kopien wohl nicht rechtmäßig hergestellt oder vertrieben werden, war mir damals klar – aber ähnlich wie bei mp3-Dateien in den späten Neunzigern – vermutete ich, dass die Kopien dennoch einen großen Marktanteil erlangen würden und hierdurch das „Durch-neue-Editionen-Figuren-Obsolet-Machen-Geschäftsmodel“ obsolet werden könnte. Tabletop-Hersteller würden dann, ähnlich wie Rollenspielverlage, vor allem über Texte Umsätze erzielen.

Seitdem hat sich einiges getan. Im page5-Forum wurden Ende 2024 die beiden Infernals-Kolosse von Warmachine als „Nachdrucke“ angeboten. Ich erwarb jeweils einen. Was ich nicht wusste: Es handelte sich hierbei um Kopien der Originalmodelle, da letztere nur für sechs Monate verfügbar waren. Der Verkäufer hatte die Originale „eingescannt“ und dann auf einem Resindrucker Kopien angefertigt.

Also genau der von mir geschilderte Anwendungsfall – auch wenn es hier offenbar weniger um einen Gewinn, als darum ging, seltene Modelle verfügbar zu halten.

Dieser Tage wurde ich einer weiteren Steigerungsform gewahr. Eine Unzulänglichkeit von Miniaturen beim Rollenspiel ist, dass es nicht für Alles Miniaturen gibt und man hierdurch die gute Darstellung, die sich sonst einstellt, wenn man Miniaturen nutzt, opfert – oder aber, dass man sich „Fesseln“ beim Pen & Paper-Rollenspiel anlegt, da man dessen unendliche Freiheit durch vorhandene Miniaturen beschränkt.

Dieses Abwägen gehört nun, zumindest theoretisch, der Vergangenheit an. Ein Bekannter erstellt nun Figuren basierend auf 2D-Bildern aus DSA-Quellenbüchern! Eine Abbildung des Nishkakat-Dämons wird so zur druckbaren Vorlage:

Quelle: Zoe Amadietz et al. (2023): Archiv der Dämonen, S. 141, Illustrator unbekannt.
Darauf basierend mit meshy.ai erstelltes STL-Modell des Nishkakats.

Ich finde das Ergebnis wirklich bemerkenswert. Damit kann praktisch jede Miniatur 3D-gedruckt werden – sogar solche, von denen man keine 3D-Vorlage hat.

Das damals von mir skizzierte Szenario, dass der (Tabletop)-Miniaturenmarkt im Umbruch, um nicht zu sagen, in der Disruption ist, ist damit für mich zum Greifen nahe. Der 3D-Drucker wird zum CD-Brenner des Tabletop-Spielers. Und: Die Zahl der 3D-Drucker nimmt nach meiner subjektiven Beobachtung zu.

Dies im Blick, kann ich mir nur mit Mühe vorstellen, dass die Margen, die bislang mit dem Verkauf von Miniaturen erzielt wurden, Bestand haben können. Damit sinkt der Anreiz der Tabletopsystem-Hersteller, neue Editionen aufzulegen, erheblich (freilich kann dies noch aus anderen Gründen geschehen): Damit verbundene neue Figuren werden potentiell weit weniger im Original nachgefragt. Und die Kopien wären, so bemalt, auch schwer als solche zu erkennen.

In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass Steamforge Games sukzessive STL-Dateien der sog. Mini Factions aus MK3 verkauft – für vergleichsweise kleines Geld. Zumindest für alte Modelle hat zumindest dieser Hersteller verstanden, dass diese nachgedruckt werden können – und kommt diesem mit einem attraktiven Angebot zuvor. Nur: Dasselbe gilt auch für neu erschienen MK4-Miniaturen – oder könnte in Bälde für diese gelten. Die Gewinne von Tabletopsystem-Herstellern dürften daher erheblich zurückgehen und der Umsatz maßgebeblich mit anderen Produkten, wie Bücher, digitalen Abonnements oder „Merchandise“ erzielt werden – und weniger mit Miniaturen. Immerhin: Damit dürfte perspektivisch das Sterben von Tabletopsystemen der Vergangenheit angehören – ein engagierter Liebhaberkreis vorausgesetzt, werden die Figuren künftig dauerhaft als STL-Dateien verfügbar sein.